Tho Lemmejans, Viersen

Das vom Untergang bedrohte Baudenkmal Tho Lemmejans konnte buchstäblich in letzter Minute vor dem Verfall gerettet werden. Das Bauwerk ist angesichts seines hohen Anteils unveränderter Originalsubstanz aus dem 16. Jahrhundert ein Glücksfall in der Denkmalpflege und von großer baugeschichtlicher Bedeutung. Denn was ansonsten nur im Freilichtmuseum in rekonstruierter Form erfahrbar wird, liegt am Tho Lemmejans am angestammten Ort restaurierungsfähig noch im Original vor, einschließlich der Benutzungs- und Bewirtschaftungsspuren. Aufgrund einer Jahresringuntersuchung der Eichenbalken (dendrochronologische Untersuchung), die das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland veranlasste, wird die Erbauung für die Jahre 1548 oder 1549 angenommen.

Im Tho Lemmejans sind zwei bauhistorische Epochen gut erkennbar: die Zeit des Rauchhauses mit der ca. 5 Meter hohen Tenne und offen brennendem Feuer sowie die Phase des Wohnstallhauses mit einem so genannten hohen Herd und Rauchabzug über eine darüber liegende, große Kaminschürze.

Die Restaurierung der Hofanlage wird durch die Denkmalförderung des Landes NRW unterstützt.

Einen umfassenden Einblick in die Bauforschung am Tho Lemmejans gibt die Veröffentlichung des Landschaftsverbandes Rheinland „Bauforschung am Tho Lemmejans-Hof in Viersen-Hoser - Ein Juwel im Dornröschenschlaf“ von Anne Lambert. Anne Lambert ist Architektin in der Abteilung Dokumentation des LVR-ADR, Sachgebiet Bauforschung.

Download des Artikels (Quelle: www.ardey-verlag.de/zeitschriften/denkmalpflege-im-rheinland)

Als erste Maßnahme wurde ein Gerüst mit Dachschirm über dem gesamten Gebäude errichtet, so dass die durchnässten Eichenbalken, originalen Decken und Lehmwände trocknen konnten.

Die Restaurierungsmaßnahem in Stichworten: zerstörte Bausubstanz rekonstruiert, Ergänzung der Dachsparrenlage im charakteristischem Wechsel von Eichensparren (für ursprüngliches Strohdach) und zwischengelegten Fichte-Rundholzsparren (für späteres Hohlziegeldach), Neueindeckung überwiegend mit alten Hohlziegeln, Fachwerk mit Flechtwerk aus Eichenstaken und Weidenruten, Lehmbewurf und Lehmputz Innen und Außen, Bodendämmung mit Schaumglasschotter. Restaurierung der rußgeschwärzten Lehmschlagdecke in der Tenne. Restaurierung verbliebener Innenwände in Lehmtechniken, Wiederverwendung historischen Materials für die Böden. Vier verschiedene Feuerstellen aus zahlreichen Epochen der Gebäudenutzung sollen wieder zum Einsatz gebracht werden, Hüllflächentemperierung unter Lehmputz für die Grunderwärmung.

Entwurf und Konzept: Das Gebäude soll extensiv als Wohnhaus mit Atelier genutzt werden. Die Speicher sind als Lagerflächen und Archiv einer Kunstsammlung eingeplant. Weitere neu zu errichtende Gebäude auf dem Gelände werden ergänzende Funktionen übernehmen, so dass die Wohnnutzung in diesem wertvollen Baudenkmal keine Veränderungen der historisch entwickelten Raumstruktur erforderlich macht.