Jugenstilbad Viersen

In den Jahren 1905/06 wurde das Stadtbad nach den Plänen des Architekten Willy Esser erbaut. Das Viersener Stadtbad ist aufgrund seiner Gliederung in das Vorderhaus und die Schwimmhalle mit dem dazwischen liegenden Verbindungsbau ein typisches Beispiel für die Volksbäder der damaligen Zeit. Bauliche Veränderungen erfuhr das Stadtbad durch Modernisierungsmaßnahmen in den Jahren 1961/62. Insbesondere durch das Abhängen der Gewölbedecke über dem Schwimmbecken und das Schließen der Bogenfenster mit Glasbausteinen wandelte sich der Charakter des Bades stark. 1995 erfolgte die Restaurierung und Reaktivierung der Schwimmhalle in Arbeitsgemeinschaft mit Dipl. Ing. Architekt Ulrich Röhlen und Architektin Inge Breidenbach. Das Vorderhaus blieb zunächst noch ungenutzt im Leerstand.

Die Restaurierung des Stadtbades wurde durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gefördert. 1997 erhielt der Bauherr für die Restaurierung der Schwimmhalle den 1. Rheinischen Denkmalpreis. Das Stadtbad ist auf der Website Baukunst NRW gelistet.

Unter Erhaltung ihrer bauzeitlichen Funktion erlangte die Schwimmhalle durch die Freilegung und Reparatur des Rabitzgewölbes, die Rekonstruktion der Bogenfenster mit Bleiverglasung, die Erneuerung der keramischen Verfliesung und der Umkleidekabinen wieder ihren ursprünglichen Charakter zurück.

Zusätzlicher Raum für die notwendig gewordene Kabinenerweiterung mit Familien-Umkleiden und Umkleiden für körperlich beeinträchtigte Menschen entstand durch den Anbau eines Tonnengewölbes. Die Gebäudetechnik wurde erneuert und für die Beheizung ein Blockheizkraftwerk installiert.

Der architektonische Entwurf entstand als Interpretation des vom Jugendstil geprägten Bestandes. Ästhetische Materialien, Formen und Raumgliederungen mit weiten Durchblicken unterstreichen den eleganten und würdigen Charakter des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeensembles.

2005 und 2006 fanden auch im Vorderhaus des Stadtbades umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt. Im Souterraingeschoss, wo sich Brausen und Wannenbäder befanden, wurde ein Saunabereich mit finnischer Sauna, einer 60 Grad-Sauna, Dampfbad, Eiskammer und einem Tepidarium eingerichtet. Zum Entspannen laden zwei innenhofartige Gärten und ein Ruheraum ein. Über mehrere Etagen erstrecken sich die Räume einer Physiotherapie-Praxis. Die Erschließung erfolgt durch ein neues Treppenhaus und Aufzuganlagen, die auch körperlich beeinträchtigten Menschen einen barrierefreien Zugang zu sämtlichen Etagen ermöglichen.