Schloss Liedberg, Korschenbroich

In den Jahren 2008 bis 2018 wurde Schloss Liedberg, eine der beiden noch erhaltenen Höhenburgen am Niederrhein, umfangreich restauriert. An den markanten Hauptturm, dessen frühmittelalterliches Mauerwerk und barocke Turmhaube wieder Instand gesetzt wurden, schließen sich der so genannte „Gülich“ sowie der „Vogelsang“ an, der nur noch in Fragmenten erhalten war. Der Neubau des „Vogelsang“ ordnet sich durch die handwerklich traditionelle Ausführung zurückhaltend in das historische Ensemble ein.

Viele originale Architekturdetails wie Renaissance-Türen, Wendeltreppen, Kamine sowie Lehmstuckdecken waren noch erhalten und restaurierbar. Südlich des Hauptturmes steht der wieder errichtete Rittersaal, von dem nur noch Relikte des Erdgeschosses vorhanden waren. Die Ergänzung und Rekonstruktion fehlender Partien war möglich, weil historische Bauspuren, Fotografien und Gemälde ausgewertet werden konnten. Die gesamte Schlossanlage wird von einer hohen Ringmauer umfasst, in der Mauerreste eines zwischenzeitlich rekonstruierten Turmes vorhanden waren - früher vermutlich ein Gefängnis.

Das Projekt wurde durch die NRW-Stiftung und die Denkmalförderung des Landes NRW unterstützt (Bildnachweis: NRW-Stiftung / Werner Stapelfeldt).

Die Restaurierungsmaßnahmen wurden von archäologischen Untersuchungen begleitet. Zahlreiche Schuhfunde in verplombten Maueröffnungen des Hauptturms geben der Geschichtsforschung bis heute Rätsel auf, ebenso die überlieferten Hinweise auf tiefer liegende Gänge und Keller, die der Forschung des LVR bisher jedoch verborgen blieben. Einige zum Teil sehr große Keller sind zugänglich und restauriert.

Um die Eigenständigkeit des mittelalterlichen Turms und des Rittersaal zu unterstreichen, wurden beide Bauwerke nicht direkt miteinander verbunden sondern durch einen Spalt getrennt. Eine filigrane Glas-Stahl-Konstruktion überdeckt und schließt diesen ca. 15 Meter hohen Luftraum. Hier ist ein lichtdurchflutetes und funktional wichtiges Treppenhaus entstanden, das die unterschiedlichen Ebenen der beiden Gebäude erschließt. Ganz oben wird der Dachstuhl des Turms über eine kleine Brücke unter freiem Himmel erreicht. In luftiger Höhe und exponierter Lage ist ein Miniaturbalkon zwischen Turm und Rittersaal eingefügt.

Ergänzende Neubauten wie z.B. das Dachgeschoss des Rittersaals sind handwerklich traditionell aus Eichenholz verzimmert. Durch die stützenfreie Konstruktion ist es gelungen, die Raumerfordernisse für heutige Großraumbüros zu erfüllen.

Im unteren Schlosshof wurde zu Beginn der Restaurierungsphase das ehemalige Ökonomiegebäude als Baustofflager und Werkstatt mit einer Grundfläche von 11 x 24 Metern neu errichtet. Der Holzständerbau ist heute Standort der Holzheizzentrale, die durch eine thermische Solaranlage auf der nicht einsehbaren Waldseite des Rittersaals unterstützt wird. Eine der letzten Glocken aus der berühmten Glockengießerei Petit und Edelbrock ziert den roten Küchenturm des Schlosses.

Innenarchitektur

Innenarchitektin Ute Overlack erweitert die architektonische Handschrift der Restaurierung von Schloss Liedberg mit ihrer Planung. Dabei stehen die Wirkung von Licht, Farben und Möbeln im Mittelpunkt. Durch ihre Farb- und Materialwahl stellt sie den Bezug zwischen Alt und Neu her und überrascht mit interessanten Kontrasten. Die nachfolgenden Bilder geben einen kleinen Einblick in ihre Arbeit (Bildnachweis: Ute Overlack).

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