Hofanlage, Straelen

Die Hofanlage aus dem 19. Jahrhundert besteht aus drei miteinander verbundenen Gebäudeteilen: dem Wohnhaus, dem Stall und einer Scheune mit angelehnter Remise. Die Gebäude befanden sich in einem zum Teil stark desolaten Zustand. Ziel der Umbaumaßnahmen war es, den Charakter der denkmalgeschützten Hofanlage zu bewahren und zugleich durch behutsame Ergänzungen eine zeitgemäße und flexible Nutzung herbeizuführen. Alle historischen Holzkonstruktionen, die nicht zerstört oder wegen Unterdimensionierung nicht mehr brauchbar waren, wurden wiederverwendet, repariert oder ertüchtigt. Alte Hohlpfalzziegel aus dem Jahr 1869 wurden geborgen, zwischengelagert und zur Neueindeckung der Dächer in historischer Technik mit untergelegten Strohdocken wiederverwertet.

Der ehemalige Stall des Hofes wurde zum zentralen Raum mit großer Halle, offener Küche, Vorrats- und Wirtschaftsraum. Den ursprünglichen Charakter dieses Gebäudebereiches aufgreifend, wurden die Böden mit einem groben Ziegelpflaster belegt.

Auf der Süd-Ostseite wurde ein verfallener Schuppen abgerissen und eine Terrasse angelegt. Eine Schuppenwand konnte erhalten werden und dient als Sicht- und Windschutz. Drei Gauben mit Eichenholz-Verschalung wurden zur Belichtung des Dachgeschosses ergänzt. Das Eingrauen des Holzes ist erwünscht und kommt dem Einfügen in die Bausubstanz zugute.

Zur Belichtung der Halle und der Küche im ehemaligen Stallgebäude wurden hohe, schmale Fenstertüren eingebaut, die als Innentüren zu einem später noch zu errichtenden Treibhaus geplant wurden. Insbesondere in diesem Bereich wird die alte Bauweise mit modernen Architekturelementen verbunden.

Im Obergeschoss liegen mehrere Zimmer, die sich je nach Bedarf unterteilen lassen. Bewusste Licht- und Wegeführung sowie die Verwendung warmer Farbtöne für die Raumoberflächen wie massive Eichenholzdielen, Ziegelböden und getönter Kalkputz lassen eine angenehme Atmosphäre zum Wohnen und Arbeiten entstehen.

Die Räume des Dachgeschosses sind mit einer neuen Treppe erschlossen, die den Charakter vergleichbarer Häuser aus der Erbauungszeit aufgreift. Unter der Treppe ist genügend Raum, der platzsparend für den Einbau einer Toilette genutzt wird.

Die historische Hierarchie der Gebäudeteile vom Wohnhaus über den sich anschließenden Stall bis zur Scheune bestimmte das architektonische Konzept für die Restaurierung und lieferte die Entscheidungsgrundlagen für die Materialwahl und Formensprache. Während im Wohnhaus die historischen Raumansprüche des frühen 19. Jahrhunderts mit kleinteiligen Kammern und niedrigen Deckenhöhen wieder deutlich gemacht wurden, gab das Stallgebäude durch seine landwirtschaftliche Prägung ein derberes und großmaßstäblicheres Raumgefüge vor.

Die Scheune und Remise mit ihren einfach konstruierten Großvolumina wurden in ihrer ursprünglichen Funktion belassen und bieten Raum zum Wirtschaften und Unterstellen von Fahrzeugen. Durch die Neustrukturierung des Raumangebotes ist die Hofanlage für verschiedenste Nutzungsmöglichkeiten offen. Die Beheizung und Warmwasserbereitung erfolgt über eine Holzpelletanlage. Eine vollbiologische Pflanzenkläranlage klärt die Abwässer.