Waldorfkindergarten „Der kleine Wassermann“, Viersen

Die verfallene und durch zahlreiche Umbauten überformte Bauruine entpuppte sich als für die Region typisches niederrheinisches Hallenhaus aus dem 16./ 17. Jahrhundert und gehört damit zu den ältesten Häusern der Stadt. Das Bauwerk sollte als neues Domizil für eine zweigruppige Kindertagesstätte nutzbar gemacht werden. Einer Restaurierung, Umnutzung und Erweiterung des landschaftsprägenden Hofes stand zunächst ein Bebauungsplan entgegen, der den Bau einer Straße vorsah. Es wurde eine Aufhebung des B-Planes erreicht und mit der Stadt Viersen ein Konzept entwickelt, das die Kindertagesstätte als städtebauliche Erweiterung in den strukturschwachen Stadtrand einbindet.

Das Fachwerkhaus mit seiner doppelseitigen Kaminanlage, Gewölbekeller und Opkammer wurde unter Verwendung von Eichenfachwerk, Lehmsteinen und –putz, Schilfrohr, Parkett, Linoleum, Hanf- und Cellulosedämmung restauriert. Wo es möglich war, wurde das alte Fachwerk erhalten.

Der Altbau mit seinem Schopfdach beherbergt die u3-Kinder. Dort sind die Gruppenräume, der Essplatz, Schlafkammern, Büro und Eurythmieraum untergebracht. Ein Treppchen animiert die Kleinsten zum selbständigen Erklimmen des Wickelplatzes, alternativ kann auf dem Treppenabsatz zur Miniaturtoilette mit Guckfensterchen abgezweigt werden.

Der Erweiterungsneubau entstand in ähnlicher Bauweise wie der Altbau. Das Holzfachwerk wurde mit Lehmsteinen ausgemauert, innen und außen mit Lehm verputzt. Das großzügig verglaste, wintergartenartige Foyer verbindet Alt- und Neubau. Ein dynamisch geschwungener Steg, von dem die Kinder durch ein kleines Fenster in die Küche schauen können, schwebt darüber. Ein Backsteinschuppen konnte als „Haus im Haus“ in den Neubau integriert werden. Dort befindet sich die Küche mit einem Bewirtungsfenster zum Garten hin. Später kann hier ein Brotbackofen entstehen. Eine begehbare Camera Obscura im Gruppenraum der „Großen“ verlockt zum Experimentieren, Lesen und Kuscheln.

Zwischen den Gebäuden liegt der teils überdachte, windgeschützte Innenhof.

Die Heizung erfolgt durch Erdwärme, die energiesparende Temperierung der Wände sorgt für ein behagliches Raumklima.

Auf dem Grundstück befanden sich zwei Schuppen, die ehemals als Stall und sogar als Wohnraum genutzt wurden. Um den Charakter der Hofanlage zu bewahren, wurden auch diese verfallenen Gebäude als Teil des Hofensembles gewürdigt und restauriert. Ein weiteres, größeres Nebengebäude aus Backstein konnte in den Neubau integriert werden.

Das Außengelände wurde bewusst sparsam mit Spielgeräten bestückt. Der Schwerpunkt sollte im Naturerleben liegen und in dem Angebot zum kreativen Spiel und Erproben von Fähigkeiten durch Sand- und Matschplätze, Hügel und Täler, Buschzonen, Wildblumenwiese, Kletter- und Schaukelbaum, Zisterne, Wasserrinne und –pumpe.

Weitere Informationen:

Fachartikel zu diesem Projekt „Lehmputz verbindet alt und neu“ (PDF, Applica, 1/2020)
Fachartikel „Umbau eines spätmittelalterlichen Hallenhauses zur Kindertagesstätte“ (PDF, Bausubstanz 3/2019)
Artikel „Kita in Lehm und Eiche“ auf der Website des Baubiologie Magazins